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Produktsicherheit: Anforderungen Für Hersteller

Die Produktsicherheit ist nicht nur eine Frage der Compliance, sondern ein fundamentales Vertrauen zwischen Herstellern und ihren Kunden. Wir verstehen, dass die Anforderungen an Produktsicherheit in der EU und darüber hinaus ständig wachsen und sich verschärfen. Ob Sie in der Online-Gaming-Branche tätig sind – wie etwa bei Spinsy Casino GMBH – oder in anderen Branchen: Die Einhaltung dieser Standards ist nicht verhandelbar. In dieser Leitfaden zeigen wir euch, welche gesetzlichen Verpflichtungen ihr erfüllen müsst, wie ihr Risiken bewertet und welche praktischen Schritte zur Compliance führen. Unser Ziel ist, euch mit klarem, umsetzbarem Wissen auszustatten, damit eure Produkte sicher und konform in den Markt gelangen.

Gesetzliche Grundlagen Und Standards

Europäische Richtlinien Und CE-Kennzeichnung

Die CE-Kennzeichnung ist das sichtbare Zeichen, dass ein Produkt alle geltenden europäischen Anforderungen erfüllt. Wir wissen, dass viele Hersteller diesen Prozess als komplex empfinden – und das ist berechtigt, denn er erfordert Genauigkeit und tiefes Verständnis.

Die wichtigsten europäischen Richtlinien, mit denen wir uns befassen müssen:

  • Produktsicherheitsrichtlinie (2001/95/EG): Grundrahmenbedingungen für sichere Produkte
  • Maschinenrichtlinie (2006/42/EG): Spezifische Anforderungen für Maschinen und Ausrüstungen
  • Elektromagnetische-Verträglichkeit-Richtlinie (2014/30/EU): Für Geräte mit elektronischen Komponenten
  • Niedrigenergierichtlinie (2014/35/EU): Sicherheit von Elektrogeräten
  • GPSR (General Product Safety Regulation 2023/988): Die neue europäische Verordnung mit noch strengeren Anforderungen ab 2024

Die CE-Kennzeichnung selbst ist nicht die Bestätigung durch eine Behörde – es ist unsere Erklärung, dass das Produkt konform ist. Das bedeutet auch: Wir tragen die volle Verantwortung dafür.

Nationale Sicherheitsvorschriften

Zusätzlich zu europäischen Richtlinien müssen wir nationale Gesetze berücksichtigen. In Deutschland gilt das Produktsicherheitsgesetz (ProdSG), das die europäischen Richtlinien umsetzt. Spanische Hersteller und Importeure müssen sich an die spanischen Umsetzungsgesetze (como ejemplo: Ley 34/1988 sobre publicidad y Ley 3/1991 sobre competencia desleal) halten.

Wichtig zu verstehen: Nationale Behörden können zusätzliche Anforderungen stellen, die über EU-Mindeststandards hinausgehen. Wir müssen daher das Markt-Überwachungs-System in jedem Land verstehen, in dem wir tätig sind.

Risikobeurteilung Und Produkttests

Durchführung Der Risikoanalyse

Eine solide Risikobeurteilung ist das Fundament aller weiteren Sicherheitsmaßnahmen. Wir führen diese Analyse vor dem Markteintritt durch, nicht danach.

Die Risikoanalyse sollte folgende Fragen beantworten:

  1. Wer könnte das Produkt verwenden (Alter, Fähigkeiten, Erfahrung)?
  2. Wie könnte es missbraucht oder falsch verwendet werden?
  3. Welche gefährlichen Situationen könnten entstehen (Verletzungen, Vergiftung, Brand)?
  4. Wie wahrscheinlich ist das Risiko, und wie schwerwiegend sind die Folgen?
  5. Welche bestehenden Schutzmaßnahmen mindern das Risiko bereits?
  6. Sind zusätzliche Maßnahmen notwendig?

Diese methodische Vorgehensweise – oft basierend auf ISO 12100 oder ISO 14971 (je nach Produkttyp) – ist nicht nur eine Formalität, sondern schützt auch unsere Kunden und unser Unternehmen vor Haftungsansprüchen.

Prüfverfahren Und Zertifizierungen

Nach der Risikoanalyse folgen Tests. Diese Tabelle zeigt die gängigsten Prüfverfahren im Überblick:

PrüftypZweckBeispiele
Funktionsprüfung Überprüfung, ob das Produkt wie vorgesehen funktioniert Elektronische Tests, Messungen
Sicherheitsprüfung Identifikation von Gefährdungen Temperaturbeständigkeit, Elektrische Sicherheit
Umweltprüfung Verhalten unter verschiedenen Bedingungen Feuchte, Vibration, Lagerung
Langzeitstabilität Überprüfung der Haltbarkeit Ermüdungstests, Verschleißtests
Konformitätsprüfung Einhaltung von Standards Vergleich mit relevanten Normen

Wir empfehlen, akkreditierte Prüflaboratorien (notifizierte Stellen) einzubeziehen. Die Testberichte bilden den Nachweis der Konformität und sind essentiell für die Dokumentation.

Dokumentation Und Kennzeichnung

Die Dokumentation ist der Beweis für unsere Sorgfalt und die Sicherheit unserer Produkte. Wir müssen eine detaillierte Konformitätserklärung aufbewahren, die mindestens enthalten sollte:

  • Produktbeschreibung und -identifikation
  • Anwendungsbereich und vorgesehene Verwendung
  • Relevante harmonisierte Normen und technische Spezifikationen
  • Risikobeurteilungsergebnisse
  • Prüfberichte und Testergebnisse
  • Sicherheitsanweisungen und Warnhinweise
  • Informationen zum Hersteller oder Bevollmächtigten

Bei der Kennzeichnung des Produkts selbst müssen wir klar und verständlich kommunizieren:

  • Die CE-Markierung (wenn zutreffend)
  • Warnhinweise in der Sprache des Zielmarktes (für spanische Märkte also auf Spanisch)
  • Sicherheitsanweisungen
  • Herstellerangaben (Name, Adresse)
  • Chargennummern oder Seriennummern zur Rückverfolgbarkeit

Diese Dokumentation müssen wir für mindestens 10 Jahre aufbewahren – ein Standard, den viele unterschätzen, der aber bei Marktüberwachungskontrollen entscheidend ist.

Haftung Und Gewährleistung

Haftung und Gewährleistung sind zwei Seiten derselben Medaille. Wir als Hersteller haften für Schäden, die durch unzureichende Sicherheit oder mangelnde Konformität entstehen – und zwar nicht nur gegenüber unserem direkten Käufer, sondern auch gegenüber dem Endverbraucher.

In der EU ist die Produkthaftung in der Richtlinie 85/374/EWG definiert. Sie besagt, dass wir als Hersteller für Schäden haftbar sind, die durch einen Fehler in unserem Produkt entstehen. Das Interessante: Der Geschädigte muss uns nicht verklagen – er kann auch den Distributor oder Verkäufer zur Verantwortung ziehen, die dann gegen uns Regress nehmen können.

Die Gewährleistung ist eine zusätzliche Verpflichtung. Sie deckt Mängel ab, die bereits bei Übergabe bestanden. Die Gewährleistungsfrist variiert nach Land – in der EU meist zwischen 2–5 Jahren.

Praktischer Tipp: Wir sollten eine Produkthaftungsversicherung abschließen, die uns vor existenzbedrohenden Schadensersatzansprüchen schützt. Diese ist nicht nur sinnvoll, sondern in vielen Märkten faktisch notwendig, um überhaupt Geschäftsbeziehungen aufzubauen.

Rückverfolgbarkeit Und Produktrückrufe

Rückverfolgbarkeit ist nicht optional – sie ist der Schlüssel zu schnellen und effektiven Maßnahmen, wenn Probleme auftreten. Wir müssen in der Lage sein, jedes Produkt vom Werk bis zum Endkunden zu verfolgen und umgekehrt.

Das bedeutet konkret:

  • Interne Systeme: Chargen- oder Seriennummern, Produktionsdatum, Qualitätskontrollprotokolle
  • Lieferketten-Dokumentation: Wer hat das Produkt von uns gekauft, und an wen hat der Käufer es weitergegeben?
  • Bestandsführung: Dokumentation aller Lager, Distributor und Verkaufskanäle

Bei einem Produktrückruf müssen wir schnell handeln. Die neue GPSR verlangt, dass wir Behörden innerhalb von 24 Stunden benachrichtigen, wenn wir feststellen, dass ein Produkt ein ernstes Risiko birgt. Unser Notfallplan sollte folgende Schritte enthalten:

  1. Umfassendes Testen, um das Problem zu identifizieren
  2. Informieren aller Verkäufer und Distributor
  3. Öffentliche Mitteilung (über Medien, Webseite, Behörden)
  4. Rücknahme oder Austausch des Produkts
  5. Dokumentation aller Maßnahmen

Wir empfehlen, einen Krisenmanagement-Plan zu haben, bevor ein Problem auftritt. Das erspart uns wertvolle Zeit und schützt unseren Ruf.